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  Blind ist nicht gleich blind
10.05.2018 von Jens Herrmann

Interviewer: Können Sie erklären, wie es einem blinden Menschen möglich ist, Schach zu spielen?

Bode:
Man könnte Schach im Kopf spielen. Das ist denkbar, aber extrem schwierig. Deshalb wird versucht beim Spielgerät, dass der blinde Schachspieler benutzt, einen Ausgleich zum Sehenden durch das Tasten herzustellen. Im Gegensatz zum sehenden Spieler darf der Blinde auch die Figuren anfassen. Die Figuren erkennt er an der Form. Die schwarzen Figuren haben oben einen kleinen Nagel eingeschlagen. Die schwarzen Felder des Brettes sind auch etwas erhöht. Damit beim Ertasten der Figuren nichts verrutscht, sind diese mit Stiften im Brett befestigt. Beim Ausführen des Zuges, wird die Figur dann herausgehoben aus der Steckvorrichtung auf das entsprechende Feld bewegt. Spielt ein Blinder mit einem Sehenden, so spielen diese auch auf unterschiedlichen Brettern. Dabei sagen sich diese die Züge gegenseitig an. Kommt beim Turnierschach noch die Uhr zum Einsatz, kann der Blinde die Zeiten über Kopfhörer erfragen.


Jens Herrmann: Wie muss man sich das Training mit Blinden vorstellen?

Bode:
Es gibt unterschiedliche Formen. Am interessantesten ist das Gruppentraining. Dies erfolgt jedoch nicht wie beim normalen Vereinsabend mit Demonstrationsbrett oder Beamer. Stattdessen werden die Züge angesagt und die Spieler übertragen diese auf ihre Steckbretter. Lange Varianten können dabei nicht gezeigt werden. Ich muss stets überlegen, welche Züge ich ansage oder welche ich die Teilnehmer im Kopf vorstellen lasse. Vieles läuft auch im Vergleich zu Sehenden langsamer ab. Eine andere Möglichkeit ist das Training über Telefon oder via Audio-Clips. Die Spieler können dann die Partie im Kopf nachstellen oder am Steckbrett nachspielen.


Jens Herrmann: Wie häufig trainieren sie?

Bode: Im Prinzip ist eher umgekehrt. Wir kommen im Wesentlichen zusammen, um zu spielen. Es gibt viele internationale Blindenschachwettkämpfe. Es gibt jedes Jahr ein großes Turnier. Diese Turniere dauern dann zehn bis elf Tage. Da besprechen wir Partien und bereiten uns Gegner vor. Ansonsten machen wir gelegentlich auch Lehrgänge oder Fahrten zu Turnieren, bei denen Sehende spielen. Die Lehrgänge, dauern im Schnitt drei bis vier Tage. Da treffen uns an einem Ort und trainieren 20 bis 30h miteinander.

Jens Herrmann: Welche Techniken wenden blinde Schachspieler beim Spielen an?

Wir sind ein Verband von Blinden und Sehbehinderten. Wir haben Mitglieder, die können noch bis zu einem gewissen Grad sehen, 10% Sehkraft ist die Grenze. In der Regel können diese nicht am normalen Brett spielen. Diese brauchen die Möglichkeit, die Figuren anzufassen. Ein blinder Spieler aus unserer Gruppe macht alles über das Tasten. Ein anderer aus unserer Gruppe, der noch sehen kann, aber als blind gilt, schaut die Felder an und fasst die Figuren an. Jeder Spieler hat auch seine ganz eigene Technik, wie er Schach spielt.

Jens Herrmann: Macht es einen Unterschied, ob jemand später im Leben erblindet oder die Blindheit per Geburt erwirbt?

Bode: Jemand, der mit seiner Geburt erblindet oder in frühester Kindheit erblindet, hat sein System mit dem er arbeitet. Leute, die später erblinden, müssen sich riesig umstellen. Jeder hat aber seine persönliche Geschichte.

Jens Herrmann: Die Tatsache, dass ein Mensch erblindet, ist bestimmt ein schwerer Schicksalsschlag. Tun sich Menschen, die in einem späteren Lebensabschnitt erfahren damit schwerer?

Bode: Je mehr man sich mit praktischen Problemen beschäftigt und Menschen hilft, desto weniger befasst man mit diesen Fragen. Ich denke, jeder hat seinen persönlichen Weg, wie er damit zurechtkommt. Da gibt es Leute, die kommen damit überraschend gut zurecht. Da gibt es Leute, die haben damit Schwierigkeiten. Es ist wie bei anderen Lebensbereichen, wenn man einen Schicksalsschlag zu bewältigen hat. Es hängt sehr viel von der Person, dem sozialen Umfeld und den Begebenheiten ab. Jemand der gerne Schach spielt, für den können diese Hilfsmittel [Steckbretter u.a.] eine gute Möglichkeit sein, weiterhin Schach zu spielen. Das kann sich auch auf andere Bereiche übertragen.


Jens Herrmann: Wie schaut die Förderung der blinden Spieler aus? Ist diese ausreichend?

Bode: Wir werden vom Innenministerium gefördert und wir sind sehr dankbar dafür. Wir kennen die Diskussionen, die stets geführt werden und wir haben Verständnis dafür, dass regelmäßig geschaut wird, ob es irgendwo einen „Wildwuchs“ gibt. Im Prinzip sind wir mit der Förderung zufrieden. Es ist jedoch keinesfalls so, dass wir im Geld schwimmen.

Jens Herrmann: Wie kommt bei Ihnen die Turnierauswahl zustande? Wie sind sie auf Bamberg gekommen?

Bode:
Wir hatten zunächst nach Turnieren gesucht, wo nur eine Partie am Tag stattfindet. Denn zwei Partien am Tag zu spielen, ist für blinde Spieler besonders anstrengend, da diese sich stets konzentriert bleiben müssen und ein kleiner Fehler bereits die Partie kosten kann. Dass die sieben Runden in Bamberg an fünf Tagen stattfinden – und nicht wie üblich an vier Tagen – kommt unseren Spielern sehr entgegen. Zeitlich passt das Turnier auch ganz gut, auch mit dem Feiertag für unsere berufstätigen Spieler.


Jens Herrmann: Welche Ziele haben Ihre Spieler?

Bode:
Unsere Spieler sind in der zweiten Hälfte des Teilnehmerfeldes angesiedelt. Ich vermute, dass die meisten, eine gute Performance erreichen wollen, was DWZ und Elo anbelangt. Vielleicht 50% der Punkte. Es ist in jedem Fall ein gutes Training für die internationalen Turniere, die wir spielen wollen.




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